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Narrative Organisationsberatung

Zertifizierte Fortbildung

Organisationen sind narrative Systeme

Hinter sehr vielen Kommunikationsakten, aber auch hinter der Art und Weise, wie Mitarbeiter und Führungskräfte denken und handeln, stecken Narrative, also die Form von Geschichten. Will man daher eine Organisation wirklich verstehen und wirkungsvoll verändern, muss man die Geschichten, die im Unternehmen zirkulieren, wahrnehmen und mit ihnen arbeiten können. Nur so kann man wirkungsvolle Interventionen planen und an der Identität der Organisation, der internen und externen Kommunikation, der Sinnstiftung, der Führungskultur, der Motivation der Mitarbeiter und an Veränderungsprozessen arbeiten.

Fortbildung auf wissenschaftlicher Grundlage

Menschen nutzen narrative Strukturen (Stories), um Sinn, Identität, Prozesse, Strategien, Visionen etc. zu verstehen und verstehbar zu machen, wie Ergebnisse der narrativen Psychologie und der Gehirnforschung nahe legen.

Die Fortbildung „Narrative Organisationsberatung“ will Berater und Organisationsentwickler befähigen, mit diesen narrativen Grundlagen einer Organisation arbeiten zu können. Sie sollen Unternehmen dabei unterstützen können, ihre narrative Dimension zu erkennen und zu nutzen.

Ein narratives Unternehmen kann Verborgenes sichtbar machen, Wissen in Fluss bringen und neue Handlungsmöglichkeiten entdecken.

Auf systemischer Basis wird die Grundhaltung des narrativen Denkens und Arbeitens sowie Methoden des narrativen Arbeitens in allen wesentlichen Kontexten der Organisationsberatung vermittelt – vom Coaching bis hin zu Entwicklungs- und Veränderungsprozessen.

Narrative Organisationsberatung – Beratungsfeld mit Zukunft

Seit etwa 10 Jahren entdecken Unternehmen Storytelling für ihre Kommunikation. Gerade im Moment beginnt eine weitere Entdeckung: die der Bedeutung von Geschichten für die Organisationsentwicklung und die Lebens- und Überlebensfähigkeit von Unternehmen. So beschäftigt sich etwa der Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Shiller mit „Narrative Economics“ (so der Titel eines Papers von 2018), und der Wirtschaftssoziologe Jens Beckert, Direktor des Max-Planck-Instituts für Gesellschaftsforschung, hebt die Bedeutung von Zukunftsgeschichten für die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen hervor. Es ist daher zu erwarten, dass narrative Organisationsberater- und Entwickler auf systemischer Basis in den nächsten Jahren gefragt sein werden.

Praxisnahe Fortbildung mit Hochschulzertifikat

Die Fortbildung hat einen Umfang von 10 Tagen (3 Blöcke à 2 Tage, 1 Block à 4 Tage). Der erfolgreiche Abschluss wird mit einem Zertifikat der Hochschule der Medien Stuttgart bestätigt.

Wir verstehen die Fortbildung als „Storylab“: Alle Inhalte werden praxisnah vermittelt und können von den Teilnehmenden sofort in ihr konkretes Arbeitsfeld integriert werden. Das bedeutet: Wir arbeiten in den Fortbildungsblöcken an konkreten Fällen, die die Teilnehmer, wenn sie möchten, einbringen.

Zielgruppe

Organisations- und Managementberater*innen, Organisationsentwickler*innen (intern und extern), Personaler*innen, Führungskräfte.

Inhalt und Ablauf der Fortbildung

3 Blöcke à 2 Tage sowie ein Abschlussblock (4 Tage)

Die Standard-Blöcke finden jeweils Donnerstag, 10.00 Uhr bis Freitag, 17.00 Uhr statt; der Abschlussblock von Mittwoch, 13.00 Uhr bis Sonntag, 14.00 Uhr.

BLOCK 1

Grundlagen: Der narrative Ansatz / Die Grundhaltung / Organisationen als narrative Systeme

Im ersten Block werden die Grundlagen zum Verständnis des narrativen Ansatzes gelegt. Dabei wird auf systemischer Basis die Wirkungsweise von narrativen Strukturen, Geschichten und Erzählungen erläutert und in Übungen ein „Gespür“ für die narrative Ebene der Organisation entwickelt. Die Inhalte im Einzelnen:

  • Was ist eine Geschichte, was ein Narrativ, was eine narrative Struktur?
  • Welche Rollen spielen narrative Strukturen und Geschichten in sozialen Systemen, v.a. in Organisationen?
  • Warum haben narrative Strukturen eine so wichtige Funktion (Grundlagen Hirnforschung, narrative Psychologie)?
  • Überblick über die Anwendungsbereiche des narrativen Ansatzes
  • Übungen zur narrativen Arbeit
Anwendungskontexte u.a.:
  • internes Storytelling
  • Training einer narrativen Grundhaltung
Nächster Termin: 6.-7. Februar 2020
BLOCK 2

Verborgenes sichtbar und nutzbar machen: Storylistening und das Unternehmen im Kopf

Der zweite Block beschäftigt sich mit dem „Unternehmen im Kopf“ der Mitarbeiter, also mit der verborgenen Seite der Kultur und Identität einer Organisation (hidden rules, Glaubensätze und Annahmen), und wie man diese über die Geschichten der Mitarbeiter entdecken kann. Darüber hinaus vermittelt der Block narrative Methoden, wie das über Storylistening gewonnene Wissen in Veränderungsprozessen umgesetzt werden kann. Unter Anderem werden folgende Inhalte vermittelt und geübt:

  • narrative Interviews
  • Erzählworkshops
  • Bedeutung des „Unternehmens im Kopf“
  • die narrative Systemlandkarte als Change-Struktur
  • Entwicklung einer Change-Story
  • Story-Experiencing: Neue Erfahrungen ermöglichen
  • Veränderung der Organisations- oder Teamidentität durch Ausnahmegeschichten
Anwendungskontexte u.a.:
  • Kulturanalyse
  • Wissensmanagement
  • Kulturveränderung
  • narrative Mitarbeiterbefragung
  • narrative Kundenbefragung
  • Change-Management
  • Teamprozesse gestalten
  • Führungsleitbilder entwickeln
Nächster Termin: 2.-3. April 2020
BLOCK 3

Geschichten ins Fließen bringen: Selbstinformation, Austauschen, Coachen

Dieser Block vermittelt Ansätze und Methoden, um Storytelling, Storylistening und Storyexperiencing nachhaltig in der Organisation zu verankern und so zur narrativen Organisation zu werden.

Zudem wird die Arbeit an konkreten Fällen verstärkt und eine „Abschlussarbeit“ vorbereitet: Bis zum Abschlussblock sollen die Teilnehmenden eine Fallarbeit in ihrem Umfeld durchführen, indem sie eine oder mehrere der vermittelten narrativen Methoden konkret anwenden. Im Abschlussblock werden die Erfahrungen der Fallarbeit im Rahmen kollegialer Supervision reflektiert. Die Inhalte im Einzelnen:

  • Räume für Storytelling und Storylistening schaffen
  • narrative Coachingmethoden
  • narrative Sinnkommunikation und Führung
  • die gemeinsame Arbeit an Identitätsstories
  • Entwicklung von Zukunftsgeschichten
  • Strategien narrativ entwickeln
  • offene und geschlossene Storywelten
Anwendungskontexte u.a.:
  • Coaching (als Führungs- oder Berateraufgabe)
  • Konfliktbearbeitung
  • Führungstraining
  • Führungskommunikation
  • Entwicklung von Team- und Unternehmensidentitäten
  • Wissensaustausch ermöglichen
  • Strategieentwicklung
  • Strategiekommunikation
  • Befähigung für agiles Arbeiten
Nächster Termin: 28.-29. Mai 2020
BLOCK 4

Neue Handlungsmöglichkeiten gewinnen, neue Perspektiven erzählen:

Veränderungen mit narrativen Ansätzen gestalten

Im Abschlussblock werden auf der Basis der Fallarbeit der Teilnehmenden die Anwendung narrativer Methoden und die narrative Haltung weiter konkretisiert, reflektiert und verfeinert. Zudem weitet der Block den Blickwinkel und ermöglicht den Teilnehmenden, weitere narrative Ansätze und Methoden durch Gastdozenten kennen zu lernen:

Wolfgang Tonninger: Narratives Coaching

„Wir formen unser Leben über die Bedeutungen, die wir unseren Erfahrungen zuschreiben. Der narrative Ansatz geht davon aus, dass Geschichten den primären Rahmen für diese Bedeutungszuschreibungen liefern. Für die narrative Arbeit mit Menschen ist das der Hintergrund für jede Intervention.

Wenn wir von Narrativem Coaching sprechen, so beziehen wir uns auf eine Tradition der systemischen Sozialarbeit und therapeutischen Praxis, die in den 1990er Jahren in Australien/Neuseeland/Kanada von Michael White, David Epston und Karl Tomm entwickelt und seitdem in den verschiedensten Teilen der Welt weitergeführt wurde.

Narratives Coaching ist mehr als ein „Coaching mit Geschichten“. Es ist der Versuch, dem Subjekt seine Kompetenzen zurückzugeben und es in seiner Gemeinschaft mit anderen Menschen zu stärken. Narratives Coaching ist narrative Haltung und als solche immer ein politisches Unterfangen, weil Menschen an den Geschichten leiden, die andere über sie erzählen und die nicht ihre eigenen sind.  

Narratives Coaching ist eine besondere Ausprägung des systemischen Coachings, in dem jenseits der Rolle des Experten gemeinsam am Möglichkeitenland gearbeitet wird, auf dem Geschichten wachsen, die Reflexion und Beweglichkeit fördern.“

Jacques Chlopczyk: Dramaturgien der Veränderung

„Der Erfolg einer bewussten und zielgerichteten Veränderung von Organisationen und anderen komplexen Systemen beruht nicht zuletzt auf der Plausibilität und Strahlkraft der dazu erzählten Geschichten und der Dramaturgie der Gespräche, Kommunikationen und Rituale, die den Weg zum Neuen begleiten.

Welchen narrativen Mustern folgen organisationale Veränderungen? Wie lassen sich bewusste und zielgerichtete Veränderungen in Organisationen narrativ einbetten? Welche Geschichten werden über den Zusammenhang zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft erzählt und wie können Veränderungsprozesse dramaturgisch stimmig konzipiert werden?

Dramaturgien der Veränderung nähert sich diesen Fragen in zwei Schwerpunkten: 

Zum einen stellen wir die impliziten und expliziten Veränderungsgeschichten und deren bewusste Ausgestaltung im Rahmen von organisationalen Veränderungsprojekten (wie z.B. Mergers & Acquisition oder Restrukturierungen) mit relevanten Stakeholdergruppen in den Fokus (Narrative Rahmung).

Zweitens beleuchten wir die dramaturgische Struktur von organisationalen Veränderungsprozessen aus einer Makro-Perspektive. Anhand eines Beispielprojektes werden Kernelemente bewährter „Dramaturgien der Veränderung“ und deren Ausgestaltung beleuchtet (Rituale, Kommunikatios- und Informationsevents, Workshops und Konferenzen).“

Steph K. Bachmair: Konflikt als Hebel zu einem kraftvollen und kreativen Miteinander nutzen

Prozessorientierte Psychologie (kurz Prozessarbeit), in den 80er Jahren von Arnold Mindell entwickelt, ist ein Weg, über narrative Arbeit Transformation in Organisationen zu unterstützen. Als Physiker und Schüler C.G Jungs vereint er Elemente der Quantenphysik mit psychologischer Arbeit und Elementen aus Taoismus bzw. schamanischen Traditionen.

Zahlreiche Prozessbegleiter (‚Facilitators’) arbeiten heute mit Prozessarbeit oder auch dem Deep Democracy Ansatz sowohl in politischen Krisengebieten, als auch im westlichen Organisationsumfeld. Prozessarbeit ist Theorie und Methode und gibt neben der linear logischen Argumentation auch den nicht linearen emotionalen Aspekten in der Beziehungsarbeit Raum.

Konflikt ist furchteinflößend. Wir scheuen ihn bzw. die Emotionen, die er aufwirft besonders im Organisationskontext. Doch hat das Verdrängen durchaus negative Seiteneffekte für die Gesundheit Einzelner bzw. auch der gesamten Organisation.

Eine gesündere und nachhaltigere Haltung ist das ‚Ja zum Konflikt’. Denn wird ein Konflikt erfolgreich ausgetragen – transformiert – setzt das kreative Energie frei und eine neue, bewusstere Form des Miteinanders kann entstehen. Das gilt für innere Arbeit, Beziehungsarbeit und natürlich auch in Teams und Organisationen.

Wie geht man mit Konflikten und Spannungsfeldern in Organisationen um?

Für Führung und/oder Prozessbegleitung heißt das, ‚Bewusstsein’ und ‚Eldership’ zu entwickeln, um in der Lage zu sein,

– verschiedenen Perspektiven Raum zu geben,

– Interaktionen zwischen verschiedenen Positionen möglich zu machen,

– kreative Lösungen zu erarbeiten,

– Beziehungen zu vertiefen und

– Gemeinschaftssinn zu stiften.“

Nächster Termin: 16.-20. September 2020

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