Donald Trump und die populistische Erzählung

„An ihrem moralischen Alleinvertretungsanspruch – und nicht
an ihren Gefühlslagen – sollt ihr sie erkennen.“
(Jan-Werner Müller)

Dass Geschichten eine starke Wirkung haben, ist schon länger bekannt. Kein Wunder also, dass auch Populisten darauf zurückgreifen und sie für ihre eigenen Zwecke instrumentalisieren. Dabei hat sich ein bestimmtes Narrativ heraus kristallisiert, welches mittlerweile von nahezu allen Populisten bedient wird – egal ob Le Pen in Frankreich, Wilders in den Niederlanden oder die AfD in Deutschland. Doch was beinhaltet es? Am Beispiel von Donald Trump soll dieser Frage nachgegangen werden.

Trump zählt seit dem 09. November 2016 zu den mächtigsten Menschen der Welt. Mit seinem Slogan „Make America Great Again“ war er in den US-Wahlkampf gezogen ­– einer der schmutzigsten in der amerikanischen Geschichte. Was vielen dabei jedoch entgangen ist: Im Wahlkampf gelang es Trump auf eine besonders erfolgreiche Weise, sich populistischer Erzählstrukturen zu bedienen. Und auch heute, obwohl schon längst im Weißen Haus angekommen, scheut er sich nicht, diese Erzählungen vor allem mithilfe von Twitter immer wieder aufzugreifen und zu verbreiten.

Narrativ des betrogenen Volkes

Dieses auch von Trump genutzte Narrativ wurde von der Populismusforscherin Paula Diehl als Narrativ des betrogenen Volkes beschrieben. Im Zentrum dieser Erzählung steht das „wahre“, moralisch reine Volk. Dass das Volk empirisch überhaupt nicht besteht, wird von den Populisten dabei gerne vernachlässigt. Gesellschaftlicher Pluralismus existiert im Populismus nicht – was sich auch in einem Begriff wie Volksverräter äußert. Sich selbst erklären die Populisten gerne zum Sprachrohr des Volkes. Aus diesem Grund können auch nur sie den wahren Volkswillen kennen – das behaupten sie zumindest. Gerade Trump treibt dies auf die Spitze: Obwohl er Milliardär, Parteimitglied der Republikaner und nun Präsident der USA ist, zählt er sich selbst nicht zum Establishment, sondern stilisiert sich als Mann des Volkes. Im Establishment dagegen sehen Populisten einen Feind, den es zu bekämpfen gilt. So etablierte Trump im Wahlkampf den Hashtag #DrainTheSwamp, was im Deutschen so viel bedeutet wie „den Sumpf austrocknen“. Die Eliten werden bei allen Populisten als unmoralisch, korrupt und parasitär dargestellt. Sie scheuen sich auch nicht, zahlreiche Bevölkerungsgruppen dazuzuzählen: Egal ob wirtschaftliche Vertreter, die Medien oder etablierte Politiker, sie alle gehören demnach zum „rigged system“. Hervorzuheben ist hierbei auch die bei allen Populisten vorhanden Diskreditierungsversuche der herkömmlichen Medien, durch die AfD als „Lügenpresse“ beschimpft und bei Trump nur noch als „dishonest media“ vernehmbar. Vor allem in der Vorstellung von Rechtspopulisten gehen diese Eliten zudem eine illegitime Allianz mit „parasitären“ Unterschichten ein, die ebenfalls nicht zum wahren Volk gezählt werden – beispielsweise Ausländer, Muslime, Juden oder ganz allgemein alles Fremde. Trump sieht diese Bedrohung vor allem in illegalen Einwanderern, Menschen aus muslimischen Ländern, aber auch aus Ländern wie Mexiko oder China.

Am Ende der populistischen Erzählung kann das Volk wie in einem Märchen durch seinen Anführer geweckt werden und sich so von den „Mächtigen“ befreien. Der Außenseiter Trump wird so zum Erlöser. Diese Erzählung kann mithilfe eines Achsenmodells zusammengefasst werden: Auf der vertikalen Achse befinden sich einerseits „die da oben“, also die Eliten, sowie „wir da unten“ – das wahre, betrogene Volk. Auf der horizontalen Achse steht auf der einen Seite das Volk, das sich auf seine nationale Identität beruft und auf der anderen Seite die Fremden, die entweder ins eigene Land kommen oder die wirtschaftlichen Konkurrenten darstellen. Rechtspopulistische Propaganda bespielt dabei erfolgreich beide Achsen gleichzeitig: „Die Eliten da oben haben sich mit den Fremden zusammengetan, um uns hier zu schaden, sodass wir da unten bleiben“.

Wie kann dem populistischen Narrativ Einhalt geboten werden?

Durch diese Erzählung haben rechte Populisten ein Modell geschaffen, welches die gegenwärtigen gesellschaftlichen, sozialen und wirtschaftlichen Probleme erklären soll. Es beruht dabei besonders auf Schuldzuweisungen, Ausgrenzung und Verschwörungstheorien. Auch wenn die wissenschaftlichen Beweise fehlen, so scheint es trotzdem ein für viele Menschen überzeugendes und eingängiges Narrativ zu sein, anders sind die derzeitigen Erfolge von Trump & Co. nicht zu erklären. Die Frage stellt sich daher nach Möglichkeiten dem Erfolg der Populisten entgegenzuwirken. Für die Suche nach Lösungsansätze sollte sich auf die populistische Erzählung konzentriert werden – denn gerade sie bietet den Rechtspopulisten einen klaren Vorteil gegenüber herkömmlichen Parteien, die oftmals nicht über narrative Strukturen in ihren Wahlkämpfen und -programmen verfügen. Eine mögliche Lösung könnte in der Entwicklung einer Gegenerzählung liegen, die das rechtspopulistische Narrativ abschwächt. Ein derartiges Narrativ könnte beispielsweise in der Erzählung eines friedlichen und vereinten Europas liegen, das seine gegenwärtigen populistischen Feinde und andere Widerstände in der Zukunft besiegen und den Menschen Wohlstand, Gerechtigkeit und Frieden schenken wird.

Lilli Benz

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